Auf Nummer sicher mit Reserve
Beim Fliegen zählt die kontrollierte Beherrschung von Kräften, Geschwindigkeit - und hier im Fokus - die Einhaltung von Sicherheitsreserven. Wenn du verstehst, was aerodynamisch passiert, bist du in kritischen Situationen besser vorbereitet. Im Aerofly FS kannst du alle Grenzbereiche ohne Risiko trainieren, um im Ernstfall ruhiger und präziser zu reagieren.
Der Anstellwinkel: Unsichtbar, aber entscheidend
Der Anstellwinkel ist zunächst einmal nur der Winkel zwischen der Profilsehne der Tragfläche und der anströmenden Luft. Er bestimmt maßgeblich, wie viel Auftrieb eine Tragfläche erzeugt. Mit zunehmendem Anstellwinkel steigt zunächst auch der Auftrieb.
Doch dieser Zusammenhang gilt nur bis zu einem bestimmten Punkt: dem kritischen Anstellwinkel. Wird dieser überschritten, reißt die Strömung ab – es kommt zum Strömungsabriss (Stall). Der Auftrieb bricht dabei förmlich zusammen. Etwas tricky ist der Zusammenhang, dass nicht einfach das Unterschreiten einer bestimmten Geschwindigkeit den Stall verursacht, sondern vor allem das Überschreiten des kritischen Anstellwinkels.
Wichtig ist es zu verstehen, dass die anströmende Luft nicht immer genau von vorne auf das Flügelprofil trifft. Beim Einfliegen in eine vertikale Luftbewegung ändert sich der effektive Anstellwinkel kurzfristig, obwohl dein Flugzeug gegenüber dem Horizont die gleiche Fluglage hat. Im ungünstigen Fall kann dich das bis an die Grenze zum Strömungsabriss bringen Dein Ziel ist es daher, den Anstellwinkel jederzeit in einem (sicheren) Bereich zu halten, in dem die Strömung stets stabil anliegt und ausreichend Auftrieb erzeugt wird.
Der grüne Bereich
Dein wichtigstes Instrument zur Einhaltung des sicheren Bereichs ist zunächst einmal der Fahrtmesser (Airspeed Indicator). Auch wenn die Speed nur ein indirekter Indikator ist, im grünen Bereich der Skala bist zu zunächst einmal safe. Dieser reicht dabei von VS1 (Überziehgeschwindigkeit im unbeschleunigten Geradeausflug ohne Klappen) bis VNO (Maximalgeschwindigkeit im normalen Betrieb). Im gelb markierten Bereich darfst du nur in ruhiger Luft fliegen.
Aus diesen ganzen Zusammenhängen leitet sich deine Sicherheitsreserve ab: Ein moderater Anstellwinkel mit ausreichender Speed-Reserve gibt dir Spielraum für Korrekturen, bevor ein Stall droht. Auch in Flugphasen wie Kurven-, Steig- oder Sinkflug verändert sich der effektive Anstellwinkel ständig. Bei diesen Flugmanövern ständig an der Grenze zum Strömungsabriss zu fliegen, wäre viel zu riskant.
Geschwindigkeit ist gleich Sicherheit
Mit einem Abstand zur Mindestgeschwindigkeit verfügst du über mehr aerodynamische Stabilität und gewinnst zusätzliche Reaktionszeit bei unvorhergesehenen Flugbedingungen wie z. B. Turbulenzen. Beobachte daher stets die Geschwindigkeit und behalte zusätzlich den wahrnehmbaren Anstellwinkel im Blick, um frühzeitig zu erkennen, wann deine aerodynamische Reserve geringer wird.
Speed on Top für den Kurvenflug
Im Gegensatz zum unbeschleunigten Horizontalflug aus dem letzten Tutorial ist der Kurvenflug ein Flugzustand, bei dem weitere Kräfte auf das Flugzeug einwirken. Beim Einleiten der Kurve wird das kurvenäußere Querruder nach unten ausgeschlagen, wodurch dort der Auftrieb ansteigt. Durch den Querruder- Ausschlag wird das Profil verwölbt und dadurch der lokale Anstellwinkel erhöht. Dies kann – insbesondere bei geringer Geschwindigkeit – dazu führen, dass hier die Strömung in den kritischen Bereich kommt, inkl. Gefahr eines abrupten Abkippens.
Durch die Schräglage im Kurvenflug steigt auch das Lastvielfache (Load Factor) und der zum Ausgleich benötigte erhöhte Auftrieb. Mehr Auftrieb bekommen wir nur über mehr Anstellwinkel, und schon kommen wir der kritischen Grenze wieder etwas näher. Du brauchst daher ein Plus an Speed, um sicher in einen Kurvenflug zu gehen. Mit zunehmender Querlage steigt auch deine Mindestgeschwindigkeit spürbar an.
Bei einer Standardkurve mit 30° Querlage sind es ca. 10 % mehr Speed. Wenn du es auf 40° Querlage bringst, dann brauchst du schon ca. 20 % mehr. Die Angaben sind nur grobe Richtwerte und nicht verbindlich, aber was du im Sinn behalten solltest: Je enger die Kurve, desto größer muss deine Geschwindigkeitsreserve sein.
Das kleine Extra für den Landeanflug
Auch im Landeanflug gilt: Geschwindigkeit ist Sicherheit. In Bodennähe können Turbulenzen, Windscherungen oder Böen unangenehmere Folgen haben als in größeren Höhen. Ein kleines Geschwindigkeitsplus über der berechneten Anfluggeschwindigkeit schafft dir auch hier eine wichtige Sicherheitsreserve.
Im Endanflug fliegst du in Bodennähe, oft mit höherem Anstellwinkel durch gesetzte Landeklappen und in einer Phase mit geringer Leistungsreserve. Besonders fatal kann der plötzliche Rückgang der Indicated Air Speed (IAS) sein. Der Auftrieb sinkt, das Flugzeug sackt etwas durch, und du zieht unbewusst am Höhenruder.
Jetzt steigt aber der Anstellwinkel, und du näherst dich erneut der kritischen Grenze. Bei böigen Bedingungen musst du also einen Aufschlag zur normalen Anfluggeschwindigkeit addieren. Der Wert hängt von deinem Flugzeugtyp ab. Dieses Plus an Speed hältst du übrigens nicht bis zur Landung aufrecht, sondern baust es dicht über dem Boden beim Ausschweben wieder ab. Wie das genau geht, kannst du im nächsten Tutorial lernen.