Unbeschleunigt im Horizontalflug
Geradeaus und in gleicher Höhe zu fliegen klingt zunächst banal, aber dieser Abschnitt ist ein zentraler Punkt in deiner Pilotenausbildung. Im Horizontalflug befinden sich alle Kräfte im Gleichgewicht: Auftrieb und Gewicht heben sich gegenseitig auf, ebenso wie Schub und Widerstand. Die Geschwindigkeit bleibt konstant, die Höhe idealerweise ebenfalls. Genau deshalb ist dieser Zustand die Grundlage für sauberes Fliegen und für jeden kontrollierten Übergang in einen Steig- oder Sinkflug. Der unbeschleunigte Horizontalflug ist der stabile Ausgangspunkt für jeden kontrollierten Flugzustand.
Ein entscheidender Punkt dabei ist das Trimmen. Als Anfänger betrachtest du das evtl. als reine Komfortfunktion, tatsächlich ist es jedoch ein wichtiges Steuerinstrument für dich. Richtig getrimmt bedeutet, dass das Flugzeug die gewünschte Fluglage und Geschwindigkeit selbstständig hält, ohne dass du dauerhaft am Steuerknüppel ziehen oder drücken musst. Ohne einen korrekten Trim entstehen kleine, aber stetige Abweichungen, die sich schnell zu Geschwindigkeits- oder Höhenfehlern entwickeln und deine Aufmerksamkeit unnötig binden.
Erstmal sauber die Höhe halten
Um einen stabilen Horizontalflug herzustellen, wird zunächst die korrekte Fluglage eingestellt. Der echte oder auch künstliche Horizont dient dabei als primäre Referenz. Wenn der Horizont nahe der Mitte steht, setzt du eine passende Antriebsleistung, bei der das Flugzeug seine Speed hält, z. B. 100 Knoten.
Wenn die Leistung passt, wirst du feststellen, dass du permanent etwas tief drücken musst, um nicht weiter zu steigen. Genau jetzt wird auf Tief nachgetrimmt, bis kein Steuerdruck mehr spürbar ist. Erst wenn das Flugzeug ohne dein aktives Gegenhalten stabil die Speed und die Höhe hält, ist der Horizontalflug wirklich sauber erreicht. Dein Powersetting bei der Cessna wird für diese Speed ungefähr 75 % betragen. Von diesem stabilen Zustand aus kannst du nun zwei kontrollierte Übergänge einleiten: den Steig- und auch den Sinkflug.
Ab nach oben
Für den Steigflug benötigst du zunächst einmal zusätzliche Energie, daher wirst du zur Einleitung des Steigflugs zunächst die Leistung erhöhen. Dadurch steht mehr Schub zur Verfügung als für den Horizontalflug notwendig wäre. Nach der Leistungserhöhung beginnt das Flugzeug zu beschleunigen. Mit Einsetzen der Geschwindigkeitszunahme hebst du die Nase an.
Halte dabei zunächst nur einmal die Geschwindigkeit im Auge und finde die Speed, bei der das Flugzeug weder weiter beschleunigt noch ständig an Fahrt verliert. Wenn du das erreicht hast, kannst du einmal auf den Vertical Speed Indicator schauen, es wird sich ein stabiler Wert ergeben. Das ist das Steigen, das dein Flugzeug bei diesem Powersetting packt. Diesen Zustand kannst du jetzt wieder erneut austrimmen. Wenn alles passt, steigt dein Flugzeug getrimmt und im Rahmen seiner Limits, ohne in einen kritischen Bereich zu kommen.
Und wie komme ich wieder runter?
Der Übergang in den Sinkflug funktioniert im Prinzip gleich – nur in umgekehrter Richtung. Du wirst zunächst die Leistung etwas reduzieren, wodurch die Geschwindigkeit abnehmen wird. Sobald die Speed zurückgeht, senkst du die Nase etwas, um erneut eine konstante Geschwindigkeit zu halten. Die Höhe wird nun kontrolliert abgebaut. Sobald neben der Speed auch die Sinkrate stabil ist, erfolgt wieder das Austrimmen. Das Resultat ist ein ruhiger, gleichmäßiger Sinkflug ohne Geschwindigkeitswechsel.
Der wichtigste Punkt bei der Einleitung eines Steig- oder Sinkflugs ist es, immer zuerst an die Motorleistung zu denken und erst dann die Fluglage zu verändern. Du beeinflusst über die Antriebsleistung die verfügbare Energie und bestimmst, wie die Energie genutzt wird – ob sie in Geschwindigkeit oder in Höhe umgesetzt wird.
Wenn du diese Zusammenhänge in Schulflugzeugen verinnerlicht hast, wirst es dir leichter fallen, auf größere und trägere Flugzeugtypen umzusatteln und die Vorgänge viel besser zu deuten. Auf deinem Weg zum Airliner-Piloten bist du jetzt einen großen Schritt voran gekommen!